- Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom – Herkunftsnachweise können aus Jahrzehnte alten Wasserkraftwerken stammen. Label prüfen.
- Echter Ökostrom fördert neue Anlagen aktiv – GRÜNER STROM Label oder ok-power Zertifikat sind zuverlässige Indikatoren.
- Preisaufschlag: 1–3 ct/kWh – bei 2.500 kWh Jahresverbrauch macht das 25–75 € pro Jahr Mehrkosten.
- Klimawirkung ist real aber begrenzt – wer echten Ökostrom kauft, senkt die Nachfrage nach fossiler Erzeugung.
- PV-Anlage ist wirksamer – Eigenstrom vom Dach hat einen 7-fach höheren CO₂-Einspareffekt als Ökostromkauf.
- Fazit: Sinnvoll mit echtem Zertifikat, solange die Mehrkosten überschaubar bleiben.
Der Begriff "Ökostrom" klingt eindeutig – ist er aber nicht. Hinter dem Label verbergen sich sehr unterschiedliche Konzepte: von echter Förderung neuer Erneuerbarer bis hin zu Zertifikaten aus skandinavischen Wasserkraftwerken, die Jahrzehnte alt sind und auch ohne Ihren Kauf gebaut worden wären. Wir erklären den Unterschied.
Mehr erfahren →Wie funktioniert Ökostrom rechtlich?
In Deutschland fließt in jeder Steckdose derselbe Strom – ein physisch getrenntes Netz für "grünen" Strom gibt es nicht. Was Ökostromtarife voneinander unterscheidet, sind Herkunftsnachweise (HKN): Zertifikate, die belegen, dass irgendwo in Europa eine entsprechende Menge Strom aus erneuerbaren Quellen ins Netz eingespeist wurde.
Das Problem: Herkunftsnachweise kann man kaufen – unabhängig davon, ob man selbst Strom aus erneuerbaren Quellen liefert. Viele günstige "Ökostromanbieter" kaufen schlicht billige Zertifikate aus Norwegen oder Österreich (alte Wasserkraft) und nennen ihren Tarif trotzdem Grünstrom.
Was ist "echter" Ökostrom?
Echten Ökostrom erkennen Sie an mehreren Merkmalen:
- Eigene Erzeugungsanlagen oder Direktverträge mit Windparks oder Solaranlagen in Deutschland
- Zertifizierungen wie das Grüner-Strom-Label, ok-power oder TÜV-Siegel – diese prüfen auch die Qualität der Herkunft
- Förderung neuer Anlagen: Seriöse Anbieter investieren einen Teil der Einnahmen in den Ausbau neuer Erneuerbarer
- Transparenz: Gute Anbieter zeigen genau, woher ihr Strom kommt – aufgeschlüsselt nach Quelle und Region
Wie viel mehr kostet Ökostrom?
Qualitativ hochwertiger Ökostrom kostet in der Regel 1 bis 3 Cent pro kWh mehr als ein konventioneller Tarif. Bei einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh sind das 35 bis 105 Euro mehr pro Jahr. Ob das für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihren Prioritäten ab.
Günstige Ökostromangebote, die kaum teurer als Normaltarife sind, sollten Sie kritisch hinterfragen – denn echter Grünstrom hat immer einen kleinen Aufpreis.
Lohnt sich Ökostrom für die Energiewende?
Das kommt darauf an. Wenn Ihr Ökostromtarif nur billige Herkunftsnachweise kauft, hat er kaum Wirkung auf den Erneuerbaren-Ausbau. Wenn Ihr Anbieter hingegen direkt in neue Windkraft- oder Solaranlagen investiert, leisten Sie einen konkreten Beitrag.
Wer wirklich etwas bewegen möchte, sollte auf Anbieter setzen, die ihre Investitionen transparent offenlegen – oder Strom direkt von einem regionalen Bürgerenergiepark beziehen.
Unser Fazit
Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Ein günstiger "Grünstrom"-Tarif ohne Zertifizierung und ohne Investitionen in neue Anlagen ist im besten Fall wirkungslos, im schlechtesten Fall Greenwashing. Wer Ökostrom aus Überzeugung nutzen möchte, sollte auf Gütezeichen und Transparenz achten – und dafür bereit sein, einen kleinen Aufpreis zu zahlen.
Unsere Erfahrung aus der Beratung: In unserer Beratung werden wir regelmäßig nach Ökostromtarifen gefragt. Was uns dabei auffällt: Die meisten Kunden unterscheiden nicht zwischen Herkunftsnachweiszertifikaten und echtem Investitionsstrom. Wir empfehlen immer, kurz auf das Gütezeichen zu schauen – das dauert 30 Sekunden und macht den entscheidenden Unterschied zwischen Marketing und echter Wirkung.
Häufige Fragen
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